Der NABU Horlofftal hat im Namen der Hungener NABU-Gruppen eine Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl organisiert, um die Positionen der Parteien zu Umwelt- und Klimafragen sichtbar zu machen. Zahlreiche interessierte Bürgerinnen und Bürger füllten den großen Saal des Kulturzentrums Hungen an diesem Dienstagabend.
Auf dem Podium vertreten waren Maximilian Ziegler (SPD, in Vertretung für Felix Döring), Michel Zörb (Grüne), Prof. Dr. Klaus Doll (FDP, in Vertretung für Dennis Pucher), Desiree Becker (Die Linke) und Robin Jünger (AfD). Die CDU blieb der Veranstaltung trotz Einladung fern. Moderiert wurde die Diskussion von Dr. Markus Dietz, Geschäftsführer des Instituts für Tierökologie und Naturbildung.
Biologische Vielfalt und Landwirtschaft
Nach einer Begrüßung durch Ana Farago-Macht, Vorsitzende des NABU Horlofftal, stellte Dietz klar, dass es nicht um Detailfragen, sondern um die grundlegenden Haltungen der Parteien gehe. Die erste Diskussionsrunde widmete sich dem Thema Biodiversität und der Frage, ob ausreichend Maßnahmen zum Schutz der Natur sowie der biologischen Vielfalt ergriffen werden.
Einigkeit herrschte darüber, dass mehr getan werden müsse – doch über das „Wie“ gingen die Meinungen stark auseinander. Desiree Becker (Die Linke) betonte, dass Umwelt- und Klimaschutz in den letzten Jahren zu oft hinter andere Krisen zurückgetreten seien und die Probleme unter Berücksichtigung sozialer Aspekte bekämpft werden müssten. Michel Zörb (Grüne) hob hervor, dass es um den Erhalt „unser aller Lebensgrundlagen“ gehe aber letztendlich politische Mehrheiten darüber entscheiden. Daher mache es einen „enormen Unterschied, wer regiert.“ Maximilian Ziegler (SPD) sprach sich für eine sozialverträgliche Klimapolitik aus, die auf eine breite Akzeptanz der Bevölkerung setzt, während Klaus Doll (FDP) die Finanzierbarkeit der Maßnahmen betonte und vor kognitiver Dissonanz warnte – viele Menschen seien für Klimaschutz, änderten aber ihr Verhalten nicht. Robin Jünger (AfD) betonte, dass er „nicht vom Fach“ sei und nannte keine konkreten Maßnahmen, sprach jedoch von der Notwendigkeit, die einzelnen Bürgerinnen und Bürger stärker in die Pflicht zu nehmen.
Klimawandel und Energiewende
Im zweiten Teil der Veranstaltung, der sich dem Thema Klimawandel und Klimaschutz widmete, wurde kontrovers über die Einhaltung der Klimaziele und den Fortschritt in der Umsetzung der Pariser Abkommen diskutiert. Während sich Grüne, SPD und Linke klar zu den Zielen bekannten und die FDP sich zwar bekannte aber für einen längeren Zeithorizont plädierte, lehnte die AfD diese vehement ab. Jünger sprach sich gegen den Ausbau der Windkraft und einer damit verbundenen Flächenversiegelung aus. Zörb (Grüne) widersprach der Behauptung entschieden und betonte, dass der Ausbau erneuerbarer Energien essenziell sei, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und Importen – etwa von chinesischen Solarmodulen – zu verringern. Die FDP warnte hingegen vor den Herausforderungen für das Stromnetz und sprach sich für massive Investitionen in Forschung und Entwicklung aus.
Fragen aus dem Publikum
Auch das Publikum beteiligte sich rege und stellte kritische Nachfragen. Eine zentrale Frage war, wer für die Folgekosten künftiger Naturkatastrophen aufkommen solle, wenn heute nicht ausreichend in den Klimaschutz investiert werde. Während Die Linke eine Vermögenssteuer als Finanzierungsquelle ins Spiel brachte um die notwendigen Investitionen im Rahmen der Daseinsfürsorge zu tätigen, betonte die SPD die Notwendigkeit von Kompromissen, um Klimaschutz sozial ausgewogen zu gestalten. Die Grünen forderten schnelles Handeln, um die Auswirkungen künftiger Katastrophen abzumildern und sehen im Wandel große wirtschaftliche Chancen.Die AfD benennt keine konkreten Maßnahmen zum Klimaschutz und warnt vor zunehmender Flächenversiegelung, insbesondere durch Solarparks und Windkraftanlagen
Markus Dietz fasste die Diskussion am Ende zusammen und betonte die Notwendigkeit einer sachlichen, faktenbasierten Auseinandersetzung mit Umwelt- und Klimathemen. Er forderte die Politik auf, sich stärker von wissenschaftlichen Erkenntnissen leiten zu lassen und sich von Falschinformationen und unbelegten Behauptungen zu distanzieren. Seine abschließenden Worte fanden großen Applaus im Publikum.
Bodo Fritz (NABU Langd) bedankte sich abschließend bei allen Anwesenden und hob die Bedeutung des ehrenamtlichen Naturschutzes hervor. Die Podiumsdiskussion machte deutlich, dass Klimaschutz und Biodiversitätspolitik weiterhin zentrale gesellschaftliche Herausforderungen sind. Die Veranstaltung zeigte zugleich, wie unterschiedlich die Herangehensweisen der Parteien sind – eine wichtige Orientierungshilfe für die Wählerinnen und Wähler bei der anstehenden Bundestagswahl.

Fotos: Susanne Krüger I Text: Anika Denninger